In der Josefstadt, Wien spielt Michael Dangl in DER GOTT DES GEMETZELS (Yasmina Reza), DIE REISE DER VERLORENEN (Daniel Kehlmann) und PROFESSOR BERNHARDI (Arthur Schnitzler);

ab 12.12. den FORTUNATUS WURZEL in DER  BAUER ALS MILLIONÄR von F. Raimund

Im Staatstheater am Gärtnerplatz München wieder ab 26.1. den PROF.HIGGINS in MY FAIR LADY  

 

 

 

 

 

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"My fair Lady" in München

Gärtnerplatztheater"My Fair Lady" mit Nadine Zeintl und Michael Dangl - die AZ-Kritik

Robert Braunmüller14.02.2018 - 17:09 Uhr

<figure style="box-sizing: border-box; border: 0px; font-family: inherit; font-size: inherit; font-style: inherit; font-variant-caps: inherit; font-stretch: inherit; line-height: inherit; vertical-align: top; margin: 0px; padding: 0px; float: left; -webkit-hyphens: none; width: calc(100% + 2px); ">

<figcaption style="box-sizing: border-box; border: 0px; font-size: 0.875rem; font-style: inherit; font-variant-caps: inherit; font-stretch: inherit; line-height: 1.5; vertical-align: top; margin: 9px 0px 0px; padding: 0px; ">Großes Komödianten-Theater: Friedrich von Thun (Oberst Pickering), Nadine Zeintl (Eliza) und Michael Dangl (Professor Higgins) in „My Fair Lady“. Foto: Marie-Laure Briane</figcaption></figure>

Das pure Wohlgefühl: Der Musicalklassiker „My Fair Lady“ mit Nadine Zeintl und Michael Dangl im Gärtnerplatztheater

Am erstaunlichsten ist vielleicht doch Cornelia Froboess als Mr. Higgins. Die 74-Jährige spricht so charmant knarzend wie eh und je. Vom ersten Rang aus geht sie mühelos als große Schwester der ähnlich gelockten Nadine Zeintl als Eliza durch – eine wunderbare Verbeugung vor der legendären Gärtnerplatz-Premiere von „My Fair Lady“ mit den drei Kammerspiele-Stars Froboess, Helmut Griem und Lambert Hamel von 1984.

Das Erfolgsrezept ist das gleiche wie damals am Gärtnerplatz: Die Stars polieren die Operetten-Patina vom etwas angestaubten Musical-Klassiker. Und weil mehrheitlich Schauspieler sind, kommt keine glatte Routine auf. Dem inszenierenden Hausherrn Josef E. Köpplinger gelang bestes Unterhaltungstheater mit bekannten Gesichtern, die beim Zuschauer keine gemischten Gefühle auslösen. Sondern das pure Wohlgefühl.

Michael Dangl ist der einzige Neuling in diesem Ensemble treuer Gaststars. Sein Professor Higgins ist ein lediglich durch den Maßanzug und das Genre Musical gezähmter Elefant im Porzellanladen weiblicher Gefühle. Und das ist gut so, denn auf diese Weise streift die Erziehung der Rinnsteinpflanze zur heiratsfähigen Lady bei aller Grundfreundlichkeit die Grenze zur seelischen Grausamkeit.

Österreichische Lösungen

Friedrich von Thun gleicht als Oberst Pickering Dangls menschenverachtenden Dauer-Grant durch Menschenfreundlichkeit aus. Im Zentrum des Dreiecks steht Nadine Zeintl: Ihren rotzigen Charme kennt der geübte Gärtnerplatz-Besucher aus der „Zirkusprinzessin“, „Cabaret“ oder der „Dreigroschenoper“. Sie flegelt sich über das Sofa im Salon von Professor Higgins, bekommt aber den Wandel vom Trampel zur echten Dame durch Sprecherziehung ganz großartig hin. Auch wenn man das schon ein paarmal gesehen hat, wirkt es trotzdem verblüffend frisch.

Die Rolle ihres Vaters, des fröhlichen Säufers Alfred P. Doolittle, ist eigentlich kaum zu retten. Robert Meyer – im Hauptberuf Intendant der Wiener Volksoper – schafft es trotzdem – mit einer österreichischen Lösung: Er verwandelt den Müllkutscher in eine grantelnde Nestroy-Figur. Es ist zwar ein ganz alter Komödien-Witz, wenn er das zur Schonung des Sofas ausgebreitete Taschentuch erst vergisst und dann doch zurückholt. Aber darüber lacht man wieder gern, weil man derlei im komödienlosen Staatstheater-Normalbetrieb höchstens einmal im Jahr zu sehen bekommt.

Josef E. Köpplingers Inszenierung setzt auf Tempo. Wenn die Geschichte ein-, zweimal zur Ruhe kommt, wirkt es dann umso stärker. Aber letztlich ersetzt die Besetzung hier die im besten Sinn unauffällige Regie. Auch kleinere Rollen wie Mrs. Pearce oder Freddy sind bei Dagmar Hellberg und dem virtuos im Regen um eine Straßenlaterne tanzenden Maximilian Mayer in den allerbesten Händen. Für alle Nebenrollen gibt es eine Zweitbesetzung, unter anderem die wunderbare Gisela Ehrensperger als Mr. Pearce und Alternativ-Mutter von Professor Higgins.

Das Zeug zum Klassiker

Die berlinernden Unterschichten der letzten Gärtnerplatz-Neuinszenierung haben sich in Bayern verwandelt – allerdings im Sinn der Grenzen des 9. Jahrhunderts, als das Herzogtum noch hinter Wien endete. Und weil in dieser Zeitung öfter die elektronische Nachhilfe bei den Dialogen beklagt wird: Diesmal war die Verstärkung nach einer Viertelstunde so diskret, dass man sie nicht mehr bemerkte.

Rainer Sinells Bühne dreht sich virtuos, die historischen Kostüme von Marie-Luise Walek sind hübsch. Im Graben bringt Andreas Kowalewitz mit dem Orchester des Gärtnerplatztheaters die hübsche, aber leicht angegraute Musik von Frederick Loewe auf Zack. Sie ist das Sahnehäubchen auf einer Geschichte, die genre-untypisch mit einem offenen Schluss endet. Wie’s auf der Bühne am Gärtnerplatz weitergeht, ist allerdings leicht zu erraten: Köpplingers „Lady“ wird ein Klassiker wie August Everdings Version vor 35 Jahren.

MD im "Presse"-Interview" LETZTE FRAGEN

Michael Dangl: „Die Wirklichkeit ist viel brutaler!“

<small>„Ich kann mit egozentrischen, versponnenen Männern viel anfangen“, sagt „Josefstädter“ Michael Dangl. / Bild: (c) Clemens Fabry </small>

„Man braucht das Verrückte!“ Schauspieler Michael Dangl über seine Gegenwelt, die TV-Serie „Vorstadtweiber“, seine Bücher und sein Familienleben zwischen St. Petersburg und Wien. 

<time itemprop="datePublished"></time>17.12.2016 | 17:58 | </time><//time> von Barbara Petsch  (Die Presse) 

Wie gerät ein feinsinniger Mensch wie Sie in eine TV-Soap wie die „Vorstadtweiber“?

Michael Dangl: Warum denn nicht? Ich spiele einen Journalisten namens Dieter West, der keine ganz reine Weste hat, weil er sehr mit der Politik verklüngelt ist. Die Dialoge der Serie sind witzig. Es sind überzeugende Figuren, und was die Schauspieler betrifft, ist man in guter Gesellschaft.

 Ich weiß, „Vorstadtweiber“ sind sehr erfolgreich. Aber: Tauschen sich Leute wirklich auf so eine ordinäre Art miteinander aus?

Ich glaube, die Wirklichkeit ist noch viel brutaler – so schlimm, dass man sie im Hauptabendprogramm gar nicht zeigen könnte. Was hinter den Türen vornehmer Villen passiert, das wollen wir lieber nicht wissen.


In der Josefstadt spielen Sie den „Schwierigen“. Hat man da nicht Berührungsängste mit Vorgängern? Helmuth Lohner etwa?

Ich denke viel an ihn. Ich habe 2000 den Stani gespielt, er war der Kari Bühl. Wir hatten ein sehr gutes Verhältnis. Lohner war für mich das erste, große Theatererlebnis, Nestroys „Talisman“ 1976 bei den Salzburger Festspielen. Otto Schenk hat inszeniert. Lohner hat mich engagiert und nach Wien geholt. Man sagt sich, den hast du auf der Bühne gesehen, und jetzt trittst du mit ihm auf, das ist ja wie ein Traum.


Sind Sie schon einmal mit dem Tod konfrontiert worden?

Zum Glück nicht. Aber mit zunehmendem Alter verliert man Weggefährten und Freunde: Letztes Jahr Helmuth, meinen alten Freund Hans Niklos, diesen Sommer völlig überraschend Gerhard Tötschinger und jetzt eben Heribert Sasse, eine große Theaterpersönlichkeit. Meine Freunde sind grundsätzlich 20 Jahre älter als ich.

 

Gibt es ein Leben nach dem Tod?

Bestimmt gibt es eine Form des Weiterlebens. Ich glaube nicht so sehr an die Zeit als Kategorie von vorher und nachher. Ich glaube, wenn man aus diesem konkreten Leben austritt, kommt man in eine andere Art von Zeit, Ordnung oder Raumgeflecht. Die Energie bleibt bestehen.

 

Ihre Eltern hatten ein Tourneetheater, die Karawane Salzburg.

Eine Wanderbühne. Sie haben sie noch, aber sie spielen keine Theaterstücke mit anderen Mitspielern mehr. Sie machen Zweierprogramme.

 

Waren Sie als Einzelkind viel allein?

Ja. Ich war bei der Oma und bei einer Tante. Aber ich war schon sehr früh auch einfach allein zu Hause. Ich habe gelesen, geschrieben, ich habe Zeitungen hergestellt. Meine einzigen Abonnenten waren meine Eltern, und ich war für alle Ressorts zuständig.

 

Sind Sie ein Träumer, ein Kind geblieben?

Ich wünsche jedem, dass ihm oder ihr das bleibt. Es ist der Gegenentwurf zur Realität. Man sieht doch, wozu das Vernünftige hinführt. Es kann niemand behaupten, dass wir in einer lustvollen, Glück versprühenden Welt leben. Man braucht das Verrückte, das Außergewöhnliche. Ich bin froh, dass ich durch meine Arbeit in dieser vollkommenen inneren Gegenwelt leben kann.

 

Beschäftigen Sie sich mit Politik?

Mich ärgern Ungerechtigkeit, Ausländerfeindlichkeit, Intoleranz, Ungleichheit in der Verteilung der Güter. Das macht mich wütend. Parlamentarische Debatten in Österreich interessieren mich allerdings wenig.

Wird die Welt immer schlechter?

Wenn die Welt immer so viel schlechter geworden wäre, wie die jeweils ältere Generation behauptet, würde sie nicht mehr existieren. In der Jugend neigt man mehr zu Verklärung, im Alter zum Pessimismus.

 

Einer Ihrer ersten großen Erfolge in Wien war 1999 „Besuch bei Mr. Green“ von Jeff Baron im Rabenhof mit Fritz Muliar. Ein junger Mann muss einen alten besuchen und ihm helfen. Der Senior reagiert zunächst erzürnt. Muliar war auch ein explosiver Charakter. Wie sind Sie mit ihm ausgekommen?

Fritz Muliar war mein Freund. Ich habe ihn nur von seiner besten Seite kennengelernt. Schon in meiner frühen Zeit am Landestheater in Salzburg hat er mich ins Herz geschlossen. Wir hatten Pläne für einen zweiten Teil von „Mr. Green“, das sollte ein Geschenk zum 90. Geburtstag von Muliar werden. Herbert Föttinger und ich sind zu Muliar nach Enzersdorf hinausgefahren. Föttinger hat Muliar gefragt, ob er das spielen möchte, das war natürlich zwei bis drei Jahre vorher. Muliar sagte: „Klar, aber was spiele ich vorher?“

 

Wären Sie gern Theaterdirektor geworden?

Nein. Ich sehe bei Herbert Föttinger aus der Nähe, was alles zu diesem Beruf gehört. Das muss man wollen, dafür muss man viel machen, was mit dem Künstlerischen nichts zu tun hat und oft auch nicht angenehm ist. Ein Theaterdirektor muss für Hunderte Leute denken. Man braucht eine Vision, man muss brennen. Ich bin sehr auf mich fixiert. Ich brenne für meine Arbeit, meine Rollen, mein Schreiben.

 

Ja, Ihre Bücher, zuletzt „Grado“: Ist Schreiben weniger strapaziös als Spielen? 

Das Theater ist und bleibt meine Hauptarbeit, aber ich bin nicht mehr zu hundert Prozent dort verwurzelt. Schreiben hat mit einer anderen Art Weltsicht oder Welterfahrung zu tun.

 

Schreiben Sie jeden Tag?

Eine Art Tagebuch. Aber konkret etwas schreiben, das kann ich nur, wenn ich mir Zeit nehme. Zwischen Proben und Vorstellungen geht das nicht. Ich brauche ein paar Tage Abstand, auch räumlich: Schweigen und sich rein machen, das ist notwendig. Ich schreibe nicht am Computer, sondern mit der Hand.

 

Das dauert ja furchtbar lang.

Das war früher auch so, und dabei sind dickere Bücher entstanden als meine. Ich kritisiere nicht, was andere machen. Aber: Ich persönlich misstraue dem Computer, der Schnelligkeit und dass man alles wieder löschen oder sofort korrigieren kann. Schreiben ist ein sinnlicher Vorgang. Das hat mit Material, Papier, Bleistift, Füllfeder zu tun. Das Manuskript ist mir wichtig.

 

Arbeiten Sie derzeit an einem Buch?

Nein. Bis Silvester ist mein Leben vom Schauspielberuf besetzt. Außerdem drehen wir „Vorstadtweiber“ und „Schnell ermittelt.“

 

Sie sind verheiratet mit Flötistin Maria Fedotova und haben eine Tochter, die bei Ihrer Frau in Petersburg lebt. Ist das schwer?

Die Arbeit, die ich mache, in dem Ausmaß, wie ich sie mache, ist für ein normales Familienleben nicht geschaffen. Meine Frau ist am Mariinski-Theater bei Valery Gergiev als erste Flötistin fix engagiert. Wir sind jetzt seit acht Jahren verheiratet, unsere Tochter ist sechs, sie ist gerade in St. Petersburg in die Schule gekommen. Ich würde sie gern viel öfter sehen, darum habe ich jetzt Reichenau abgesagt, damit es wenigstens im Sommer möglich ist. Aber es ist mir schwergefallen, weil ich gern in Reichenau spiele.

 

Was haben Sie sonst für Pläne?

Meine Frau und ich machen viel zusammen, etwa Weihnachts-CDs. Als Gidon Kremer noch in Lockenhaus Intendant war, habe ich ihn kennengelernt. Daraus ist eine wunderbare Freundschaft geworden. Ich habe ein Kinderstück, „Die Tierharmoniker“, für ihn geschrieben. Nun hat er mir persönliche Texte zur Begutachtung und Überarbeitung gegeben, daraus soll ein Buch werden. Außerdem bereite ich mit Konstantin Wecker ein Projekt vor.

 

Was wird das?

Weckers Roman heißt „Der Klang der ungespielten Töne“, es geht darin sehr viel um Musik. Vor zwei Jahren hat er mich gefragt, ob ich das Buch dramatisieren möchte, weil er wusste, dass ich Klavier spielen kann. Wir wollten dann einen Film machen, das dauert noch, also machen wir ein Konzertprojekt in München für drei Sprecher und Orchester. Das wird 2018 am Gärtnerplatztheater in München sein – wo ich im übernächsten Jahr auch den Professor Higgins in „Fair Lady“ spiele.

 

Haben Sie denn etwas von einem mieselsüchtigen Hagestolz wie Higgins?

Ich kann mit egozentrischen, versponnenen, unberührbar sein wollenden Männern viel anfangen.

 

Lebt man im Theater verdrängte Ichs aus? Würden Sie gern Richard III. spielen?

Sicher. Sind wir nicht alle potenzielle Wahnsinnige, Massenmörder und unzurechnungsfähige Zeitgenossen?

 

Was macht man im Winter in Grado?

Lange Spaziergänge am Strand, die herrliche würzige Salzluft einatmen. Wenn es kalt ist oder die Bora bläst, geht man in die Bar. Schriftsteller, Schauspieler und Bars, die hatten schon immer ein enges Verhältnis.

 

Herr Dangl, darf man Sie auch fragen . . .


1. . . ob das Alter für Sie bedrohlich ist. Ihr Fünfziger naht.

Fünfzig finde ich noch nicht bedrohlich, was dann später kommt, vielleicht. Ich versuche dem Älterwerden Gutes abzugewinnen. Man wird geduldiger mit sich und mit anderen.


2. . . ob es wahr ist, dass viele Fernsehen des Geldes wegen machen. Wie ist das bei Ihnen?

Fernsehen wegen des Geldes zu machen, das wäre traurig. Ich habe in „Tatort“ gespielt und in „Soko Kitzbühel“, das waren schöne Episodenhauptrollen. Mich fasziniert die andere Art des Arbeitens beim Drehen. Man muss die Rolle fertig in sich haben, dann wird sie zerlegt. Am Theater arbeitet man linear.


3. . . ob man als Schauspieler auch abhängig ist vom Theater? Man will nicht nur spielen, man muss.

Sicher. Und besonders ich werde dem Theater bestimmt immer verfallen bleiben, weil ich ja von klein auf dabei war. Theater ist auch eine Art Therapie. 

Der Klang der ungespielten Töne - UA in München am Gärtnerplatztheater. "Es gehört zusammen, was zusammen gehört " (SZ)

Clip vom Gastspiel in Wien: https://we.tl/m5NADhfFHY

 Text nach dem gleichnamigen Roman von Konstantin Wecker

Für die Bühne eingerichtet von Michael Dangl

Mit Musik von Johannes Brahms, Gustav Mahler, Wolfgang Amadeus Mozart, Arvo Pärt, Giacomo Puccini, Giuseppe Verdi und Konstantin Wecker

Von Klang und Lärm – und Stille. Münchens Gärtnerplatztheater feiert Konstantin Weckers Geburtstag nach

 

(nmz) - 

„70 – und kein bisschen leise“ darf der Musikfreund ihm erfreut bestätigen. Wo immer über die dominierende Polit-Phraseologie hinaus starke Worte und mehr noch: in Herz und Hirn zündende Töne notwendig sind, um Missstände offenzulegen und anzuprangern – da ist Konstantin Wecker dabei, reist meist auf eigene Kosten an, tritt auf und macht Mut. Zu seinem 70. Geburtstag war das Gärtnerplatztheater noch nicht wiedereröffnet. Jetzt wurde mit einer musikalisch-literarischen Uraufführung nachgefeiert.

28.01.2018 - Von Wolf-Dieter Peter

Nicht alle, die den „jungen Wecker“ der 1970er Jahre mit seinen Lebens- und Liebeslust-, dann zunehmend auch Protestliedern schätzen gelernt haben, wissen auch, was da für ein Multitalent über die Jahrzehnte so geschaffen hat: als bekennender „Puccinist“ und Opernbesucher parallel zu den vielen Tourneen, Benefiz- sowie Kulturbotschafter-Auftritten, zu den rund 40 LP-CD-Alben auch Lyrik, Theater-, Bühnen- und Film-Musiken, auch Kinder- und Erwachsenen-Musicals – und über den Erstling „Uferlos“ hinaus nun den Roman „Der Klang der ungespielten Töne“. Der darin vom Ich-Erzähler Anselm Cavaradossi Hüttenbrenner offengelegte Lebensweg weist viele Parallelen zu Weckers eigener Biographie auf.

Michael Dangl - Schauspieler, Autor und seit Jahren Genre-Grenzen reizvoll überschreitend - hat eine Version für drei Sprecher, Violoncello und Orchester erstellt; Nicole Claudia Weber hat diese literarisch-musikalische Erzähl-Spiel-Handlung von Weckers Roman nun in halbszenischer Form auf die Bühne gebracht – mit der vollen Wucht und Poesie der Weckerschen Sprache und fast allem darin beschriebenen musikalischen Reichtum, den Gärtnerplatz-Dirigent Andreas Kowalewitz für kleines Orchester arrangierte und leitete: von Mozart zu Verdi, Brahms, Mahler, Puccini bis Arvo Pärt – erstmals im verbesserten und halbhoch gefahrenen Orchestergraben noch ein paar Mal zu dominierend gegenüber den mit Mikroports verstärkten Sprechstimmen, aber in schöner Balance zu Konstantin Wecker selbst am Klavier auf der Bühne, dann mit übernehmendem Soloklavier im Graben, dann Orchesterklang und dann wieder zum Solo-Cello… anders als für den Roman-Leser überhöhte voll tönende Musik Hüttenbrenners (und Weckers) „Suche nach dem Wunderbaren“.

Die begann im Elternhaus: die Lyrik liebende Mutter legte eine Schiene, der mit bühnengeeignetem Tenor begabte Vater mit Oper und vieler anderer Musik die zweite beim Buben: Knabensopran-Tenor-Duette mit der operntypischen „hohen Frauensterblichkeit“. Beim jugendlichen Hüttenbrenner-Wecker folgten „Blues, Frühlingserwachen und Fleischlichkeit“ – bis Mahlers Adagio aus der 9.Symphonie ein Erweckungserlebnis brachte. Dazu tauchte der geheimnisvolle, ganz jung durch Selbstverstümmelung aus der Weltkarriere ausgestiegene Klaviervirtuose Karpoff als Leitfigur auf. Zu den schrillen Klängen von Hüttenbrenner-Weckers „Krieg und Frieden“-Komposition folgte der Kontakt zu Film, Schlager und Geld: Kommerzialisierung und „musikalische Hurerei“, der Verlust des künstlerischen „Sehens wegen des Gesehen-Werdens“.

Flug durch den Kosmos der Musik

Doch Karpoffs Aufforderung zu „Zeit“ und „Stille“ wirkt weiter: Hüttenbrenner-Wecker entdeckt, dass sein Konzertflügel wieder „mit ihm spielt“; er entdeckt den „Klang der Stille“ und beginnt ihn, seine populäre Karriere ruinierend, zu sammeln – eine hübsche Parallele zu Heinrich Bölls „Dr. Murkes gesammeltes Schweigen“. In feinsinnige Text-Musik-Szenen wechselten Wecker, Yara Blümel und Michael Dangl in Kurz-Rollen zwischen den drei Pulten auf der sonst leeren Bühne, entlarvten mal Musik-Business, amüsierten mal mit Künstler-Eheleben, ließen mal mit Kunst-Einsichten innehalten. Zur „Kraft des Leisen“ leuchtete aus dem schwarzen Hintergrund dann im zweiten Teil des zweistündigen Abends die geheimnisvoll schöne Solocellistin Fany Kammerlander auf. Beide fanden schließlich zu „Musik, die sein musste“ – wozu Arvo Pärts „Spiegel im Spiegel“ erklang.

Ein ganz anderes als das sonstige Münchner Premieren-Publikum erlebte einen Flug durch den Kosmos der Musik, aneckend an den „Lärm der Zeit“, aber sich daraus erhebend und einen Blick eröffnend in die faszinierende Weite aller Töne - eine wiederholt anrührende Geburtstagsfeier, die an Konstantin Weckers erste Gärtnerplatz-Auftritte in Benjamin Brittens „Let’s make an Opera -Der kleine Schornsteinfeger“ erinnerte und auch ihn selbst anrührte: beim Rückblick, dass der Vater Hüttenbrenner-Weckers einen begeisternden Tenor besaß, leuchtete die Proszeniumsloge im Balkon auf und Juan Carlos Falcón sang den ersten Teil von Puccinis „E lucevan le stelle“ – und zur Erzählung der Begeisterung seines Sohnes stand in der Loge gegenüber Knabensopran Konstantin Starke und sang mit Falcón zusammen staunenswert das „Parigi o cara“-Duett aus Verdis „Traviata“: das Original von Wecker-Vater und Sohn ist in der CD-Box „Poesie und Widerstand“ zu hören – da schluckte der vitale Siebziger auf der Bühne, schaute zu Boden, überwand die aufsteigenden Emotionen und drückte am Ende den Knabensopranisten besonders herzlich an sich… Musik als Brücke über die Zeit.

INHALT

»Ich habe mich verloren und doch alles gewonnen«. Mit diesen Worten lässt Konstantin Wecker Anselm Cavaradossi Hüttenbrenner, den Ich-Erzähler seines Romans »Der Klang der ungespielten Töne«, seine Erzählung beginnen. »Nun, da ich mich all dessen entledigen konnte, womit und wofür ich mein Leben lang gelärmt habe, hier, mitten im Trubel der Stadt, begegne ich der Stille.« Lärm ist es, der Hüttenbrenner beinahe gänzlich um Hören und Sehen bringt. Ganz besonders der Lärm der kommerziellen Musikindustrie, in die der junge Musiker hineingerät, weil er dem Reiz des schnellen Geldes erliegt, das er in den Studios verdienen kann. Um Musik selbst geht es hierbei schon lange nicht mehr. Doch dann begegnet er eines Tages einem Mann namens Karpoff, der von ihm etwas ganz und gar Unerhörtes verlangt: Er solle versuchen, sich Zeit zu lassen.

In Konstantin Weckers Roman »Der Klang der ungespielten Töne« geht es um Musik – und um die Stille. Der Schauspieler und Autor Michael Dangl hat eine Version für drei Sprecher, Violoncello und Orchester erstellt, in welcher Weckers Roman erstmals in einer literarisch-musikalischen Form auf die Bühne gebracht wird – mit der vollen Wucht und Poesie der Wecker’schen Sprache und allem darin beschriebenen, geradezu uferlosen musikalischen Reichtum.

 

BESETZUNG 

Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz

 

 

 

 

 

 

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Ganz wunderbar die vier auf der Bühne, allen voran Michael Dangl als leicht verklemmter Verleger Daniel, dem so mancher Freud'sche Versprecher entschlüpft, sowie die zweifache Nestroy-Preisträgerin Sona MacDonald als zeitlos elegante, ein bisschen zickige, aber durchaus raffinierte Universitätsprofessorin Isabelle. Alma Hasun gibt die unbekümmert (auf)reizende, gar nicht dümmliche Emma, Marcus Bluhm ihren lässigen Sugar Daddy mit dauerstolzgeschwellter Brust. - derstandard.at/2000049452259/Die-Kehrseite-der-Medaille-Besuch-der-jungen-DameGanz wunderbar die vier auf der Bühne, allen voran Michael Dangl als leicht verklemmter Verleger Daniel, dem so mancher Freud'sche Versprecher entschlüpft, sowie die zweifache Nestroy-Preisträgerin Sona MacDonald als zeitlos elegante, ein bisschen zickige, aber durchaus raffinierte Universitätsprofessorin Isabelle. Alma Hasun gibt die unbekümmert (auf)reizende, gar nicht dümmliche Emma, Marcus Bluhm ihren lässigen Sugar Daddy mit dauerstolzgeschwellter Brust. - derstandard.at/2000049452259/Die-Kehrseite-der-Medaille-Besuch-der-jungen-DameGanz wunderbar die vier auf der Bühne, allen voran Michael Dangl als leicht verklemmter Verleger Daniel, dem so mancher Freud'sche Versprecher entschlüpft, sowie die zweifache Nestroy-Preisträgerin Sona MacDonald als zeitlos elegante, ein bisschen zickige, aber durchaus raffinierte Universitätsprofessorin Isabelle. Alma Hasun gibt die unbekümmert (auf)reizende, gar nicht dümmliche Emma, Marcus Bluhm ihren lässigen Sugar Daddy mit dauerstolzgeschwellter Brust. - derstandard.at/2000049452259/Die-Kehrseite-der-Medaille-Besuch-der-jungen-Dame

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.... Zuweilen scheint es, als hätte sie für jede ihrer Figuren eine eigene Partitur erstellt, wie sie zu agieren hat, . Und das verlangt größtes Können der Schauspieler. Darüber verfügt Michael Dangl. Er zeigt den Verleger Daniel, der im Beruf erfolgreich ist, sich zu Hause aber den Gesetzen seiner Ehefrau Isabelle (Sona MacDonald) unterwirft. Wie er seine Gewissensbisse, seine Ängste, seine Wünsche und Sehnsüchte à-part spricht und sich dabei vom soignierten Herren zum Schulbuben wandelt, der seine kleinen Streiche nicht zu gestehen wagt , ist Präzisionsarbeit. Und nur damit lässt sich wahre Komik erzeugen. ....

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