Jeden Montag läuft im ORF die neue Staffel SCHNELL ERMITTELT mit Michael Dangl als HORST SCHNABEL

In der Josefstadt, Wien spielt Michael Dangl in DER GOTT DES GEMETZELS (Yasmina Reza), DIE REISE DER VERLORENEN (Daniel Kehlmann) und PROFESSOR BERNHARDI (Arthur Schnitzler); ab 12.12. den FORTUNATUS WURZEL in DER  BAUER ALS MILLIONÄR von F. Raimund

Im Staatstheater am Gärtnerplatz München den PROF.HIGGINS in MY FAIR LADY  

 

 

 

 

 

BiographieRollenTerminePhotographienProgrammeBücher, CDsPressestimmen
Termin

My Fair Lady (München, Staatstheater am Gärtnerplatz) >
< ORF 1 - Schnell ermittelt
am 21.09.2018, um 19:30

Michael Dangl als Prof. Higgins

Standing Ovations für Wiederaufnahme von MY FAIR LADY am Staatstheater am Gärtnerplatz, München am 21.9.

 Das pure Wohlgefühl: Der Musicalklassiker „My Fair Lady“ mit Nadine Zeintl und Michael Dangl im Gärtnerplatztheater

Am erstaunlichsten ist vielleicht doch Cornelia Froboess als Mr. Higgins. Die 74-Jährige spricht so charmant knarzend wie eh und je. Vom ersten Rang aus geht sie mühelos als große Schwester der ähnlich gelockten Nadine Zeintl als Eliza durch – eine wunderbare Verbeugung vor der legendären Gärtnerplatz-Premiere von „My Fair Lady“ mit den drei Kammerspiele-Stars Froboess, Helmut Griem und Lambert Hamel von 1984.

Das Erfolgsrezept ist das gleiche wie damals am Gärtnerplatz: Die Stars polieren die Operetten-Patina vom etwas angestaubten Musical-Klassiker. Und weil mehrheitlich Schauspieler sind, kommt keine glatte Routine auf. Dem inszenierenden Hausherrn Josef E. Köpplinger gelang bestes Unterhaltungstheater mit bekannten Gesichtern, die beim Zuschauer keine gemischten Gefühle auslösen. Sondern das pure Wohlgefühl.

Michael Dangl ist der einzige Neuling in diesem Ensemble treuer Gaststars. Sein Professor Higgins ist ein lediglich durch den Maßanzug und das Genre Musical gezähmter Elefant im Porzellanladen weiblicher Gefühle. Und das ist gut so, denn auf diese Weise streift die Erziehung der Rinnsteinpflanze zur heiratsfähigen Lady bei aller Grundfreundlichkeit die Grenze zur seelischen Grausamkeit.

Österreichische Lösungen

Friedrich von Thun gleicht als Oberst Pickering Dangls menschenverachtenden Dauer-Grant durch Menschenfreundlichkeit aus. Im Zentrum des Dreiecks steht Nadine Zeintl: Ihren rotzigen Charme kennt der geübte Gärtnerplatz-Besucher aus der „Zirkusprinzessin“, „Cabaret“ oder der „Dreigroschenoper“. Sie flegelt sich über das Sofa im Salon von Professor Higgins, bekommt aber den Wandel vom Trampel zur echten Dame durch Sprecherziehung ganz großartig hin. Auch wenn man das schon ein paarmal gesehen hat, wirkt es trotzdem verblüffend frisch.

Die Rolle ihres Vaters, des fröhlichen Säufers Alfred P. Doolittle, ist eigentlich kaum zu retten. Robert Meyer – im Hauptberuf Intendant der Wiener Volksoper – schafft es trotzdem – mit einer österreichischen Lösung: Er verwandelt den Müllkutscher in eine grantelnde Nestroy-Figur. Es ist zwar ein ganz alter Komödien-Witz, wenn er das zur Schonung des Sofas ausgebreitete Taschentuch erst vergisst und dann doch zurückholt. Aber darüber lacht man wieder gern, weil man derlei im komödienlosen Staatstheater-Normalbetrieb höchstens einmal im Jahr zu sehen bekommt.

Josef E. Köpplingers Inszenierung setzt auf Tempo. Wenn die Geschichte ein-, zweimal zur Ruhe kommt, wirkt es dann umso stärker. Aber letztlich ersetzt die Besetzung hier die im besten Sinn unauffällige Regie. Auch kleinere Rollen wie Mrs. Pearce oder Freddy sind bei Dagmar Hellberg und dem virtuos im Regen um eine Straßenlaterne tanzenden Maximilian Mayer in den allerbesten Händen. Für alle Nebenrollen gibt es eine Zweitbesetzung, unter anderem die wunderbare Gisela Ehrensperger als Mr. Pearce und Alternativ-Mutter von Professor Higgins.

Das Zeug zum Klassiker

Die berlinernden Unterschichten der letzten Gärtnerplatz-Neuinszenierung haben sich in Bayern verwandelt – allerdings im Sinn der Grenzen des 9. Jahrhunderts, als das Herzogtum noch hinter Wien endete. Und weil in dieser Zeitung öfter die elektronische Nachhilfe bei den Dialogen beklagt wird: Diesmal war die Verstärkung nach einer Viertelstunde so diskret, dass man sie nicht mehr bemerkte.

Rainer Sinells Bühne dreht sich virtuos, die historischen Kostüme von Marie-Luise Walek sind hübsch. Im Graben bringt Andreas Kowalewitz mit dem Orchester des Gärtnerplatztheaters die hübsche, aber leicht angegraute Musik von Frederick Loewe auf Zack. Sie ist das Sahnehäubchen auf einer Geschichte, die genre-untypisch mit einem offenen Schluss endet. Wie’s auf der Bühne am Gärtnerplatz weitergeht, ist allerdings leicht zu erraten: Köpplingers „Lady“ wird ein Klassiker wie August Everdings Version vor 35 Jahren.