In der Josefstadt, Wien spielt Michael Dangl in DER GOTT DES GEMETZELS (Yasmina Reza), DIE REISE DER VERLORENEN (Daniel Kehlmann) und PROFESSOR BERNHARDI (Arthur Schnitzler);

ab 12.12. den FORTUNATUS WURZEL in DER  BAUER ALS MILLIONÄR von F. Raimund

Im Staatstheater am Gärtnerplatz München wieder ab 26.1. den PROF.HIGGINS in MY FAIR LADY  

 

 

 

 

 

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Aktuelles
01.03.2016

Wecker/Dangl: "Klang" Umjubelte UA in München

"ES KOMMT ZUSAMMEN, WAS ZUSAMMEN GEHÖRT" (SZ über die) UA am 26.1. im Staatstheater am Gärtnerplatz, München mit Konstantin Wecker, Michael Dangl, Yara Blümel,

19.03.2018

Drei Weihnachts-CDs ...

... von Michael Dangl und Maria Fedotova bei Gramola. Hier und unter Bücher, CDs

21.09.2018

Michael Dangl als Prof. Higgins

Standing Ovations für Wiederaufnahme von MY FAIR LADY am Staatstheater am Gärtnerplatz, München am 21.9.


12.12.2018

Der Bauer als Millionär

Michael Dangl spielt FORTUNATUS WURZEL in Ferdinand Raimunds Zaubermärchen ab 12.12. in der Josefstadt (Premiere 13.12.) Regie: Josef E. Köpplinger (Photo: Jan Frankl/Josefstadt)

FERDINAND RAIMUND: Der Bauer als Millionär

Regie 
Josef E. Köpplinger

Bühnenbild 
Walter Vogelweider

Kostüme 
Alfred Mayerhofer

Musik 
Jürgen Goriup

Choreografie 
Karl Alfred Schreiner

Dramaturgie 
Barbara Nowotny

Licht 
Josef E. Köpplinger
Josef Starmann

Lakrimosa, eine mächtige Fee, verbannt auf ihr Wolkenschloss 
Alexandra Krismer

Bustorius, Zauberer aus Warasdin 
Patrick Seletzky

Ajaxerle, Lakrimosens Vetter und Magier aus Donau-Eschingen 
Alexander Pschill

Zenobius, Haushofmeister und Vertrauter der Fee Lakrimosa / Afterling 
Alexander Strömer

Die Zufriedenheit 
Julia Stemberger

Das hohe Alter 
Wolfgang Hübsch

Der Neid 
Martin Niedermair

Der Hass 
Dominic Oley
Roman Schmelzer

Tophan, Kammerdiener des Hasses / Musensohn 
Wojo van Brouwer

Nigowitz, ein dienstbarer Geist des Hasses / Schmeichelfeld 
Oliver Rosskopf

Fortunatus Wurzel, ehmals Waldbauer, jetzt Millionär 
Michael Dangl

Lottchen, seine Ziehtochter 
Lisa-Carolin Nemec

Lorenz, ehmals Kuhhirte bei Wurzel, jetzt sein erster Kammerdiener 
Johannes Seilern

Habakuk, Bedienter 
Paul Matic

Karl Schilf, ein armer Fischer 
Tobias Reinthaller

Jugend 
Theresa Dax

Was hab ich jetzt von dem verdammten Geld? Ich kanns ja nicht genießen.
Fortunatus Wurzel 

Lottchen, die Tochter der Fee Lakrimosa und eines Sterblichen, wächst als Ziehtochter des armen Bauern Fortunatus Wurzel heran. Lakrimosa war nach dem Tod ihres Mannes mit dem Kind ins Feenreich zurückgekehrt und hatte geschworen, Lottchen nur dem Sohn der Feenkönigin zur Frau zu geben. Als Strafe für diese Vermessenheit musste das Mädchen in ärmlichen Verhältnissen auf der Erde aufwachsen. Um ihre verbannte Mutter zu erlösen, muss Lottchen jedem Reichtum abhold sein und bis zu ihrem achtzehnten Geburtstag einen armen Burschen heiraten, so der Spruch der Feenkönigin. Tatsächlich liebt Lottchen den armen Fischer Karl, doch kurz vor dem Ende der Frist bahnt sich Unheil an im Feenreich: Der Neid, von Lakrimosa abgewiesen, sinnt auf Rache und lässt Fortunatus Wurzel einen großen Schatz finden. Fortan verprasst der neureiche Bauer dieses Vermögen, verbietet Lottchen den Umgang mit Karl und verstößt sie zuletzt sogar. Doch das wird er bald bereuen...

Ferdinand Raimund, 1790 in Wien geboren, schrieb sich die Hauptrollen der von ihm verfassten Stücke quasi auf den Leib. So spielte er in der Uraufführung von Der Bauer als Millionär 1826 den Fortunatus Wurzel. Das Stück war auf Anhieb sehr erfolgreich und wurde in zahlreichen Städten nachgespielt. Das Thema des über Nacht reich gewordenen Bauern, der sein Vermögen ebenso rasch wieder verliert, war aufgrund der zur damaligen Zeit aktuellen wirtschaftlichen Depression, im Zuge derer zahlreiche Finanzmagnaten ihr Vermögen verloren, sehr präsent. Berühmt sind bis heute die Szene des Abschieds der Jugend mit dem Duett "Brüderlein fein" sowie das Aschenlied des zum Aschenmann herabgesunkenen Fortunatus Wurzel.

Josef E. Köpplinger, der am Theater in der Josefstadt 2015 Der Gockel von Georges Feydeau sehr musikalisch inszeniert hatte, wird in seiner Inszenierung von Der Bauer als Millionär auch Ferdinand Raimunds Couplets in gekonnter Manier zur Geltung bringen.

 

 Michael Dangl als Laredo Brú, Präsident von Kuba, in Daniel Kehlmanns "Reise der Verlorenen"

 

Josefstadt: Ein überaus packendes Flüchtlingsdrama

KRITIK Die Uraufführung von Daniel Kehlmanns „Die Reise der Verlorenen“ ist gelungen – mit gewaltigem Aufwand. 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=fhxoDPEsyGs

Dass Jago oder Macbeth zu Beginn einer Vorstellung an der Rampe ihre bösen Absichten bekennen, wäre Shakespeare nicht eingefallen. Aber das Theater will offenbar nicht mehr überraschen, es werden auch immer dieselben Stücke gespielt. Immerhin, die Josefstadt hat sich zu Saisonbeginn etwas ausgedacht.

Daniel Kehlmann dramatisierte das Sachbuch „Das Schiff der Verdammten“ von Gordon Thomas und Max Morgan-Witts, der eine Investigativjournalist, der andere TV-Produzent. Investigativ ging auch der stets gründliche Kehlmann vor. Er baute die Tragödie des Luxusliners St. Louis, der am 13. Mai 1939 mit 937 jüdischen Flüchtlingen nach Übersee fuhr – und von Kuba wie den USA abgewiesen wurde – zur bitteren Abrechnung um. Zu sehen sind korrupte, opportunistische oder antisemitische Politiker und Bürokraten. Sie versuchen die bereits von den Nationalsozialisten ausgeplünderten Schutzsuchenden um die letzten Reste ihres Ersparten zu bringen. Sie schrauben ihre Forderungen immer höher und lassen die jüdischen Organisationen auflaufen, die versuchen, die Verzweifelten zu retten.

Das Buch ist erschütternd, auch die Aufführung ist schwer zu ertragen, aber atemberaubend. Regisseur Janusz Kica trainierte die über 50 Akteure perfekt. Nur eben der Anfang irritiert, wenn der als Stewart getarnte NS-Ortsgruppenleiter und Spion Otto Schiendick (fantastisch: Raphael von Bargen) ruft: „Ich bin ein Nazi, buchstäblich, ein übler Kerl, ich steige noch auf!“ Dann hält Schiendick dem Publikum vor, es berufe sich auf „die Gnade der späten Geburt“. Ja?

 

Wunderbar: Föttinger, Dangl

 

Ein weiterer Mangel der Produktion ist, dass zu viele Schicksale nur angerissen werden. Sollte das Stück in Deutschland nachgespielt werden, was wahrscheinlich ist, müsste es überarbeitet und verlängert werden. Auch ein Glossar im Programmheft wäre hilfreich. Das Buch, das nur ein Teil des Materials über die Tragödie der St. Louis ist, hat fast 400 Seiten. Genug der Einwände, die knapp zwei Stunden ohne Pause dauernde, sich stetig steigernde Josefstädter Aufführung ergreift. Walter Vogelweider baute eine Schiffsmaschinerie, die symbolisch an das gnadenlose Räderwerk erinnert, in dem die Fliehenden zermahlen werden.

Herbert Föttinger ist wunderbar als strenger, verantwortungsbewusster Kapitän Gustav Schröder – der lang nicht begreift, dass die Gesetze der Seefahrt von einer Diktatur außer Kraft gesetzt wurden.

Michael Dangl schafft es als kubanischer Staatspräsident Laredo Brú, Sir und Gangster zu verbinden. Es könnte sein, dass Brú menschlich ist, aber er hat gelernt, dass das keinen Sinn hat, weil auf ein Flüchtlingsschiff das nächste folgt. Überdies ist Brú eingeklemmt zwischen seinem Rivalen und Nachfolger Batista und der Presse. Die kubanischen Verhältnisse sind blendend getroffen, die deutschen wirken etwas diffus: Wer will hier was? Joseph Lorenz zeigt als Konsul Holthusen kühlen Geschäftssinn, die Herren von der Reederei schwanken zwischen Entsetzen, Unmut und Resignation. Und der deutsche Geheimdienstchef in Kuba hält Schiendick für einen paranoiden Trottel.

Die Flüchtlinge: Roman Schmelzer bezaubert als Hebräischlehrer, Nikolaus Barton zeichnet einfühlsam den Kellner Leo Jockl, der seine jüdische Herkunft verbergen muss, Sandra Cervik gibt Babette Spanier, eine verstörte große Dame. Großartig ist Therese Lohner als widerborstige Tante Charlotte, die ihren Neffen (Matthias Franz Stein) immer wieder in Verlegenheit bringt.

 

„Wien, Wien, nur du allein!“

Marika Lichter singt herzerwärmend „Wien, Wien nur du allein!“ Maria Köstlinger als Elise Loewe versucht ihren Mann (Marcus Bluhm) zu beschützen, der sich die Pulsadern aufschneidet und über Bord springt. Peter Scholz als Max Aber schreit nach seinen Kindern, die in der ernsten Lage nichts als Schabernack im Kopf haben, er bekommt sie, von einem Helfer ohne Skrupel, aber mit Revolver ausgestattet . . .

Was hat die damalige Flüchtlingssituation mit der heutigen zu tun? Außer, dass es in beiden Fällen um Menschen geht, wohl nicht viel. Diskussionsstoff bietet dieses Thema reichlich. Helden sind rar. Das Theater entlässt uns jedoch nach diesem Abend mit der Frage: Wo stehen wir?

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.09.2018)