Seit dem Alter von 4 Jahren Schauspieler, mit der Karawane Salzburg, am Salzburger Landestheater, zehn Jahre in Deutschland (Hamburg, Köln, Koblenz), seit 1998 am Theater in der Josefstadt, Wien, dort bisher 50 Rollen in 3000 Vorstellungen, u.a. Figaro, Jupiter, Stani, Ch. Buddenbrook. 10 Jahre in Hauptrollen bei den Festspielen Reichenau. Kino, TV, Hörfunk, Lesungen eigener Programme. Ein Roman, ein Theaterstück. Hauptrolle im Kinofilm "Baked Beans" und in "Der Mediator" ( TV-Serie ORF/ARD, m.H.Krassnitzer)
Michael Dangl auf ö1: Gedichte von C.W.Bauer
Michael Dangl steht seit 8/11 in einer Hauptrolle einer neuen ORF/ARD-Serie mit HARALD KRASSNITZER vor der Kamera: "Der Mediator" (R: Harald Sicheritz)
An 2.11. wieder in "Judy" (Photo), ab 29.10. wieder in "Eh Wurscht". Außerdem in "Traumnovelle" (siehe unten), "Einmal noch" (s.u.), "Drei Schwestern" (s.u.)
30.09.2011 | 18:23 | BARBARA PETSCH (Die Presse)
Igor Bauersima schreibt die „Traumnovelle“ neu: ein ambivalentes Erlebnis, teils überraschend, teils missglückt. Die Produktion ist kein großer Wurf, aber sie hat einige gute, ja ausgezeichnete Passagen.
Das Habsburgerreich war untergegangen und mit ihm halb Europa. In den „Roaring Twenties“ des 20. Jahrhunderts erlebten auch die Beziehungen einen lange vorbereiteten radikalen Umbruch in Richtung Moderne. Arthur Schnitzler war bereits ein betagter Herr, als er 1925, sechs Jahre vor seinem Tod „Die Traumnovelle“ vollendete.
Der große Verführer hatte 18 Jahre lang daran gearbeitet, unterdessen ging seine Ehe mit Olga in die Brüche. In der „Traumnovelle“ zeigt Schnitzler die typische Krise eines jungen Paares, die bis heute meist eintritt, wenn Kinder kommen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt ist die Romantik verflogen. Fridolin und Albertine proben das Auseinandergehen im Traum.
Igor Bauersima bearbeitete für das Josefstädter Theater die komplexe Geschichte – die im Reclam-Original ca. 100 Seiten hat – „frei“ nach Schnitzler. Das merkt man vor allem an der unterschiedlichen Wucht der Sprache. Bauersima scheut nicht die Binsenweisheit („Nur die Wirklichkeit eines Menschen bedeutet seine innerste Wahrheit“), Schnitzler schöpft ungeachtet der 19.-Jh.-Epik seines Textes aus dem Reichtum seiner Gefühlserfahrungen, die mit Freud wohl weniger zu tun haben, als gemeinhin angenommen wird. Der Dichter scheute die Hermetik (Ich, Es, Über-Ich) des Freud-Systems.
Bauersima, studierter Architekt, hat die Uraufführung auch inszeniert. Die meisten Kritiker und wohl auch Teile des Premierenpublikums dürften mit diesem rätselvollen Produkt bald fertig gewesen sein; man spürte die Unruhe, hörte Seufzen. Bauersima ist kein Botho Strauß, kein Robert Lepage.
Er hat nicht die üppige Schlafwandler-Fantasie eines Paul Auster, an dessen Elegien vom Selbstverlust inmitten einer schnurrenden Zivilisation diese „Traumnovelle“ erinnert. Die Drastik eines Bret Easton Ellis („American Psycho“) wird höchstens ungeschickt angedeutet. In zwei Punkten aber ist die Aufführung attraktiv: Sie bietet eine moderne, aktuelle Version des Stoffes – und sie schärft die weiblichen Perspektiven. Die Erzählung Albertines, die bei Schnitzler von der Kreuzigung ihres Mannes träumt, während sie Gruppensex hat, erweist sich bei Bauersima als Machtfantasie: Die unterdrückte Frau nimmt Rache. Hilde Dalik als Alva hat hier am Schluss ihren größten Moment.
Alexander Pschill ist Bernards Alter Ego, Ferenc, der Herzchirurg – welch tiefsinnige Symbolik! Ferenc ist der neue gezähmte, sensible Mann, der, trotz aller Umerziehungsversuche doch bei der erstbesten Gelegenheit ausbricht. In den psychologischen Verhältnissen ist Bauersima mit mehr Trittsicherheit unterwegs als in der Gesellschafts-, Kapitalismuskritik. Da gibt es wesentlich Besseres.
Als Bühnenbildner sorgt er für dichte Atmosphäre: Die wankenden Aufnahmen (Video: Georg Lendorff) von der großen Stadt, die Schemen der erotischen Exzesse sind sehr gelungen. Die mit eindreiviertel Stunden kurze Aufführung erfordert Konzentration – doch wenn man sich einlässt, ist der Gewinn nicht immer sicher.
Alles in allem: Die Produktion ist kein großer Wurf, aber sie hat einige gute, ja ausgezeichnete Passagen – und bietet niveauvolles Spiel zu einem Thema, das alle interessiert, speziell im Theater.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.10.2011)
Wien - In Arthur Schnitzlers Traumnovelle (1926) gestatten einander zwei Eheleute Blicke in die verschwiegensten Winkel ihrer Seelen. Das Urteil des Diagnostikers Schnitzler ist unbestechlich: In beiden schlummert auf gleiche Weise das Vermögen zur Untreue. Der junge Arzt Fridolin - im Wiener Josefstadt-Theater heißt er "Ferenc" - macht gewissermaßen die Probe aufs Exempel: Er lässt sich wie ein abgefallenes Blatt durch die nächtliche Wiener Innenstadt treiben.
Er heftet seine seltsam unbestimmten Begehrlichkeiten an diverse Zufallsbekanntschaften. Er gerät auf ein Fest von maskierten Wüstlingen, und eine verführerische Nackte, deren Gesicht verlarvt ist, hilft ihm bei der Flucht. Ist nun Fridolin seiner Albertine der Absicht nach untreu geworden, obwohl ihn doch die Ungunst der Umstände am Ehebruch hinderte? Oder reicht das Geständnis für die Entsühnung einer gar nicht begangenen Tat?
Regisseur Igor Bauersima, der Urheber einer beinahe kindlich verspielten Josefstädter Traumnovellen-Deutung, bricht aus dem von Schnitzler verordneten Ehekäfig entschlossen aus. In der Vergangenheit bestand Bauersimas Analysebesteck aus einer einzigen Waffe: dem Beamer. Mit diesem warf er ohne Unterlass bewegte Schatten auf Kulissen aus Pappe.
Doch dieses Mal ist ein Ruck durch den aus Prag stammenden Szenografen gegangen: Menschen aus Fleisch und Blut bevölkern die Bühne. Bauersima gebraucht die Traumnovelle wie einen Partikelautomaten. Kaum ist eine Cellistin im Negligé (Meaghan Burke) katzengleich auf die finstere Fläche geschlichen, stapft ihr ein verkaterter Traummusiker (Michael Dangl) noch bettwarm hinterher. Er, der Pianist Bernard, erzählt nun den Traum des Arztes Ferenc (Alexander Pschill), der sich im Lärm der Straßen wahlweise die Ohren oder ein Auge zuhält. Die Warnung könnte nicht deutlicher ausfallen: Wehe dem, der Doppelgänger sieht! So ist Bauersimas Botschaft deutlich unversöhnlicher, als es Schnitzler sich jemals hätte träumen lassen: Der goldene Ehekäfig besteht nicht zwangsläufig in der Unauslebbarkeit der Triebe, sondern im Selbsterziehungsprogramm der Partner.
Die adrette Ehefrau (Hilde Dalik) lässt sich zwar auf der Redoute von einem Hundemaskenträger anflirten. Im Grunde aber wissen die Eheleute viel zu gut übereinander Bescheid, als dass sie einander überraschen könnten. Ihre demonstrative Ehrlichkeit zwischen Zahnhygiene und Gesundheitsschlaf verrät die Kühltemperatur einer desillusionierten Welt.
Ferenc läuft daher auch nie Gefahr, sich zu verlieren: Dazu ist er einfach zu durchschnittlich. Seine blonde Gemahlin würde allein deshalb niemals fremdgehen, weil es sich, mit Blick auf viele Annehmlichkeiten, nicht lohnen würde. Bauersima flickt Texte über den Tod ein: nonchalante Witze über das Nichts. Bauersima hat Schnitzlers Text tatsächlich "heutig" gemacht, und sein Befund ist wenig erheiternd. Die Diagnose lautet: rapider Liebes- und Begehrensschwund. Das Publikum wusste den Reiz der aparten Darlegung nicht recht zu schätzen. (Ronald Pohl, DER STANDARD - Printausgabe, 1./2. Oktober 2011)
"GROSSES SCHAUSPIELERTHEATER" (Kurier) Terry Wale
Regie |
Bericht über Michael Dangl in DRAMA, dem aktuellen Magazin des Theaters in der Josefstadt:
http://www.josefstadt.org/Josefstadt_Gallery/ServiceSeiten/Drama_8.pdf
WEITER LAUFEN DIE ERFOLGSPRODUKTIONEN "EH WURSCHT" UND "EINMAL NOCH" (MIT MICHAEL DANGL UND OTTO SCHENK)
Es ist seltsam, wenn an einem Abend wie diesem, ein Darsteller mehr Applaus bekommt als der Protagonist: Michael Dangl ist in der Tat ausgezeichnet. Er holt das Äußerste an Seele aus seiner reichlich schematischen Rolle als vernachlässigter Sohn der Diva, Christopher, heraus, der gern selbst Dirigent wäre, immerhin aber ausgezeichnet Klavier spielt. - Barbara Petsch, DIE PRESSE
Karl Meier, ehemaliger Stardirigent, hat der Bühne schon seit Jahren den Rücken zugekehrt. Mit einem Paukenschlag hatte er das Podium verlassen, weil die Leistung des Orchesters seinen Ansprüchen nicht gerecht werden konnte. Nun lebt er auf der Straße und ist obendrein auch dem Alkohol verfallen. Als eine berühmte Sängerin stirbt, die unter seiner Leitung traumhafte Aufführungen gesungen hatte, beginnt die fieberhafte Suche nach dem verschollenen Genie Meier, der das Abschiedskonzert bei ihrer Trauerfeier dirigieren soll.
Interview mit Otto Schenk von Michael Dangl zum Anhören:
> Link
Pressestimmen: Otto Schenk läuft zur Hochform auf, wenn er – von Dangl am Flügel unterstützt – zahlreiche Werke der Musikgeschichte „dirigiert“ und sarkastische Kommentare zur Interpretation einzelner (fiktiver) Musiker abgibt.(APA).
Da parodiert er Musiker und Sänger, kurzum den ganzen Musikbetrieb mit einer Verve, dass kein Auge trocken bleibt.(Falter)
Schenk (...) entzückt wohl nicht nur seine Freunde und Fans. Als Alkoholiker wirkt er naturgemäß etwas unglaubwürdig, als Verzweifelter begeistert er umso mehr – und vollends als Dirigent. Das Bild wie Karl Mayer, der frühere Sandler, sich noch einmal entschließt, für die verehrte und 17 Jahre lang vergeblich geliebte Diva das Pult zu erklimmen, wird man niemals vergessen: die rundliche, vertraute Gestalt, die sich halb im Schatten, halb im Licht, langsam im Kreise dreht – Wunder des Theaters. Es gibt auch sonst immer wieder berückend magische Momente an diesem Abend.
Michael Dangl ist in der Tat ausgezeichnet. Er holt das Äußerste an Seele aus seiner (...) Rolle als vernachlässigter Sohn der Diva, Christopher, heraus (...).(Presse) Mit leisem Lächeln lauscht er nur für ihn hörbaren Sphärenklängen, unternimmt nach der Nachricht von Annas Tod, die für ihn – vor allem als Isolde – die Inkarnation der Musik schlechthin bedeutet, einen skurrilen Selbstmordversuch und lässt sich widerstrebend zu seinem letzten Auftritt überreden. Beeindruckend die Momente vor dem Hinaustreten vors Orchester, wenn er – ein Schnapsglas in der Hand – von der (ihm seit jeher bekannten) Angst vor dem Versagen übermannt wird, sich schließlich aber aus künstlerischer Verantwortung den tröstlichen Schluck versagt.(Wiener Zeitung)
Vor allem ist „Einmal noch“ eine sehr liebenswerte Hommage an Otto Schenk und dessen große Liebe, die Oper. Und natürlich bekommt Schenk auch Gelegenheit zum Parodieren und Blödeln. Michael Dangl beeindruckt in der Rolle des Komponisten durch tolles Klavierspiel, Therese Lohner und Eva Mayer steuern sehr schöne sprachliche Töne bei. Schenk selbst spielt sparsam, und das tut ihm gut, er gewinnt an Klarheit und Aufrichtigkeit. Eine starke Darstellung. (...) Der Schauspieler, Regisseur und Dramatiker Klaus Pohl schrieb Schenk zum Geburtstag ein entzückendes Stück auf den Leib. (...). Dieses Stück ist eine sehr gescheit und bühnengerecht geschriebene, sehr dezent an Thomas Bernhard erinnernde Hommage an die Musik – und an Otto Schenk. Der Text ist Schenk so geschickt in den Mund gedichtet, dass dessen oft klischeehaft kritisierte Sprache – die Verzögerungen, die Pausen, die synkopoerten Vokale – hier die einzig richtige Möglichkeit der Interpretation darstellt. Otto Schenk läuft wie bestellt zur Höchstform auf, großartig, auch am Klavier, unterstützt von Michael Dangl.(Kurier)