Michael Dangls neuer Roman "IM RAUSCH" ist erschienen! (Siehe unten)

In der Josefstadt, Wien spielt Michael Dangl den FORTUNATUS WURZEL in DER  BAUER ALS MILLIONÄR von Ferdinand Raimund; und DIE REISE DER VERLORENEN (Daniel Kehlmann) 

Im Staatstheater am Gärtnerplatz München wieder ab 1.6. den PROF.HIGGINS in MY FAIR LADY  

 

 

 

 

 

BiographieRollenTerminePhotographienProgrammeBücher, CDsPressestimmen
Aktuelles
01.03.2016

Wecker/Dangl: "Klang" Umjubelte UA in München

"ES KOMMT ZUSAMMEN, WAS ZUSAMMEN GEHÖRT" (SZ über die) UA am 26.1. im Staatstheater am Gärtnerplatz, München mit Konstantin Wecker, Michael Dangl, Yara Blümel,

06.02.2019

"Im Rausch" ist erschienen!

Michael Dangls neuer Roman ist ab heute im Buchhandel oder online zu kaufen:

06.02.2019

Michael Dangl als Prof. Higgins

Bejubelte Wiederaufnahme von MY FAIR LADY am Staatstheater am Gärtnerplatz, München, am 26.1. Nächste Vorstellungen: 1.,2. Juni 2019


12.12.2018

"Michael Dangl begeistert als Fortunatus" (DIE ZEIT)

Michael Dangl spielt FORTUNATUS WURZEL in Ferdinand Raimunds Stück um Feen, Geister, Genien und Menschenschicksale. Regie: Josef E. Köpplinger (Photo: Jan Frankl/Josefstadt)

Trailer:

https://www.youtube.com/watch?v=RqPTF4w0U6k

Pressestimmen:

Diese Produktion ist ein Fest für die ganze Familie.
Köpplingers Personenführung überzeugt. Es geht stets schnell und zügig zur Sache, wobei jede einzelne Figur liebevoll-individuell geschildert wird. Michael Dangl etwa wandelt sich als Fortunatus Wurzel überzeugend vom prassenden Säufer hin zu einem alten, gebrochenen Mann. Sehr anrührend sein Abschied von der Jugend (stark: Theresa Dax). Großartig auch dank des so fabelhaften Wolfgang Hübsch der Eintritt des Alters in die Glamourwelt. Und die vielen Geister? Die muss man einfach gern haben. An der Spitze Alexander Pschill, der als tollpatschiger Ajaxerle nicht nur perfekt schwäbelt. Oder Julia Stemberger, die ihrer Zufriedenheit eine große Noblesse verleiht. Und natürlich Martin Niedermair als köstlicher Neid. Dazu kommen noch Dominic Oley, Alexandra Krismer, Alexander Strömer, Patrick Seletzky, Oliver Rosskopf und Ljubiša Lupo Grujcic. Die Menschenseite wird von Johannes Seilern und Paul Matić tadellos komplettiert; das junge Liebespaar ist bei Tobias Reinthaller (Karl Schilf) und Lisa-Carolin Nemec (Lottchen) sehr gut aufgehoben. Ein Triumph des exzellenten Ensembles.
(KURIER)

In Josef E. Köpplingers wunderbar vitaler Raimund-Inszenierung nützt alles nichts, und doch gewinnen alle alles. Die Jugend tritt endlich einmal nicht als misstönende Kitsch-Gewerbetreibende auf. Sie singt ihr Brüderlein fein als strahlend schöne Sopranistin (Theresa Dax). Das Alter (Wolfgang Hübsch) beginnt Wurzels Maßregelung als Anthony Hopkins des Alpenhauptkamms, nur um sich Sekunden darauf in einen Vampir zu verwandeln. Sonderbarerweise aber schleudert der tiefe Fall des Fortunatus Wurzel den Josefstadt-Schauspieler Dangl in lichte Höhen. Kaum jemals hat man das Aschenlied zurückgenommener gehört, dabei derart sittlich veredelt und von tiefem Nachdenken erfüllt. Das Publikum sollte diese famose Produktion mit Zuspruch belohnen.
Kaum jemals hat man das Aschenlied zurückgenommener gehört, dabei derart sittlich veredelt und von tiefem Nachdenken erfüllt. Das Publikum sollte diese famose Produktion mit Zuspruch belohnen.
(Der Standard)

Josef E. Köpplinger denkt Raimund klug weiter. Ohne den Charme der scheinbaren Naivität zu vertreiben, inszeniert er die Figuren als Ideologieträger im Bogen zwischen Tugendhaft und Böse, Unvernünftig und Vernünftig. Dank vieler Personen- und Textstriche verkünden sich die Botschaften dieser multiplen Besserungs-, zugleich Aufklärungsaktion kantig und direkt.
Michael Dangl zeigt Fortunatus Wurzel rundum mit Untugend bespickt, dabei menschlich nahe, die Brechstange des Volksschauspielers in Watte gepackt auch in den großen Momenten aus dem Kanon des österreichischen Theaters - Auftrittslied, sekundenschnelle Vergreisung, Aschenlied. Dangls schwarzer Wuschelkopf mit Schnauzer, die Stimme aus dem Bauch, steigert die Saufbrüderszenen zu wahren Milieubildern. Theresa Dax reicht als strahlende Jugend ihren Probanden weiter zu Wolfgang Hübsch. Der ist 79, doch einen Finger durch’s Haar gezogen und die Zunge an die Zähne gepresst ist er 99. Nicht der einzige Szenenapplaus an diesem Abend.
"Was reden sie für eine schöne Sprache", rätselt Wurzel, die Fee Zufriedenheit erblickend. Julia Stemberger, elegant im kleinen Schwarzen, spricht mehr als schön: erhaben. Lottchen Lisa Carolin-Nemec ist eine junge Frau, die weiß, was sie will. Ihr Karl, Tobias Reinthaller, beweist, dass sich ein Armer in neuem Luxus nur verbiegen kann. Paul Matic, mehr Wächter als Diener im reichen Haus, sagt mit unheimlicher Weisheit nicht viel mehr als "Schon recht". Hass und Neid, Dominic Olay mit rotem Langhaar und Martin Niedermair in Beamteneleganz raufen um ihr Opfer. Auf Tempo und Witz trainiert die ganze junge Geistermannschaft. Ein Raimund auch für Junge.
(Wiener Zeitung)

Regisseur Josef E. Köpplinger versucht das Tollkühne: Er spielt das Stück, wie es im Buch steht, und gewinnt – ein magisches Original.
Das Stück ist fabelhaft, in seinem Blödsinn nicht weniger als in seinem Tiefsinn, und es ist ein Fundus erstklassiger Rollen, die hier tadellos besetz sind. Michael Dangl ist ein virtuoser, berührender Wurzel, und neben Johannes Seilern und Julia Stemberger ist Wolfgang Hübsch als wahrhaft ereignishaftes, unvergessliches hohes Alter hervorzuheben.
(Kronen Zeitung)

Köpplinger setzt auf die Originalpartitur von Joseph Drechsler und lässt ein fünfköpfiges Bühnenorchester (Musikalische Leitung und Arrangements: Jürgen Goriup) aufspielen. Dieses sorgt gemeinsam mit der jungen Sopranistin Theresa Dax für einen Magic Moment, der alleine bereits lohnt: Ihr als von Fortunatus Wurzel Abschied nehmende Jugend gesungenes "Brüderlein fein" ist musikalisch auf höchstem Niveau, ihr ganzer Auftritt von anrührender Zartheit.
Als energischer, stattlicher Herr tritt Wolfgang Hübsch auf und verwandelt sich ansatzlos in einen mümmelnden Greis, wenn es darum geht, Wurzel seine nahe Zukunft vor Augen zu führen – großer Szenenapplaus.
Lisa-Carolin Nemec beeindruckt als schlichtes, liebenswertes Lottchen. Alexander Pschill als schwäbelnder Ajaxerle, Dominic Oley als erfolgsgewohnter Hass und Julia Stemberger als mütterliche Zufriedenheit stechen aus dem Geisterreigen hervor.
Zweieinhalb Stunden Unterhaltung.
(APA)

Köpplinger setzt auf Raimunds bissigen Wortwitz, würzt das Singspiel durchaus mit dessen Depression, verzichtet auf allzu Liebliches – und das ergibt in Summe mehr Ferdinand Raimund, als andere Inszenierungen von sich sagen können. "Der Bauer als Millionär" an der Josefstadt versteht sich als Unterhaltung. Mit Haltung.
Zwei Höhepunkte des Abends: Wenn Sopranistin Theresa Dax als Jugend ihr "Brüderlein fein" singt, und sich nicht nur stimmlich auf höchstem Niveau, sondern schauspielerisch, angetan mit einem rosa Bubenanzug, als ein androgynes Wesen von anrührender Zartheit präsentiert. Ebenfalls Szenenapplaus gab es für ihr Pendant, Wolfgang Hübsch als das hohe Alter ein Respekt gebietender, resoluter Mann von Welt, der sich unversehens in einen zynischen, zahnlos scheinenden Mummelgreis verwandelt, sowie er Wurzel die nun anstehenden Zipperlein vor Augen führt. Hübschs trockener Humor ist geradezu das Paradebeispiel für die Köpplinger-Handschrift dieser Aufführung.
(Mottingers Meinung)

Josef E. Köpplinger schöpft aus dem Vollen, um das biedermeierliche Singspiel mit all seinen allegorischen Anspielungen und menschlichen Irrungen sanft zeitgemäß in Szene zu setzen. Musikalisch belässt er das Stück unter Verwendung von Joseph Drechslers Vorlage in der Entstehungszeit. Das kleine, vor der Bühne platzierte Ensemble rund um Jürgen Goriup entführt auf äußerst anmutige Weise ins Wien des frühen 19. Jahrhunderts.
Verdienstvoll auch die Gesangseinlagen, wobei vor allem Theresa Dax als burschikos-androgyne "Jugend" ihr "Brüderlein fein" hervorragend meistert. Bühnenbildner Walter Vogelweider und der für die Kostüme verantwortliche Alfred Mayerhofer umschiffen die Retro-Klippe fantasievoll mit markanten, nicht eindeutig einer Epoche zuordenbaren Details. Michael Dangl ist ein überaus kraftvoller Fortunatus, bis zum versöhnlichen Schluss mehr Schlitzohr als naiver Landwirt. Freude bereiten an diesem ebenso harmlosen wie vergnüglichen Abend zudem einige Darsteller, die aus ihren Rollen kleine Schmuckstücke zaubern. Szenenapplaus erhält Wolfgang Hübsch als "Hohes Alter", der Diener Lorenz des Johannes Seilern ist ein richtig schleimiger Intrigant und die "Zufriedenheit" der Julia Stemberger eine souveräne Problemlöserin von Erdenkinder-Sorgen.
(Tiroler Tageszeitung)

Wolfgang Hübsch begeistert als hohes Alter. Michael Dangl ist sprachlich souverän und zeigt sein Format. Völlig authentisch wirkt Johannes Seilern als Wurzels Kammerdiener Lorenz. Witzig: Alexander Pschill in der Paraderolle des patscherten Ajaxerle. Julia Stemberger erfreut als würdige Zufriedenheit. Exzellent einstudiert ist die Musik, selten sang das Josefstädter Ensemble so harmonisch.
(Die Presse)

Das wird ein riesengroßer Erfolg. Dass der Regisseur vor allem auch ein Mann des Musiktheaters ist, tut dem Raimund gut. Er inszeniert das Märchenhafte dynamisch, showmäßig, aber immer liebevoll. Das Bühnenbild ist perfekt. Michael Dangl begeistert als Fortunatus. Das ist keine Figur der Theatergeschichte, das ist eine der Gegenwart. Der Erzkomödiantin Alexandra Krismer gelingt das Kunststück, die unspielbare Exposition der Lacrimosa zu einer kleinen Nummer zu machen. Das hohe Alter tritt als Grandseigneur auf, fällt dann in das greisenhafte Rollenspiel und geht als Grandseigneur wieder ab, magisch. Wolfgang Hübsch hat sich spätestens mit dieser Rolle in die Riege der großen österreichischen Schauspieler eingereiht.
(Die Zeit)

 

FERDINAND RAIMUND: Der Bauer als Millionär

Regie 
Josef E. Köpplinger

Bühnenbild 
Walter Vogelweider

Kostüme 
Alfred Mayerhofer

Musik 
Jürgen Goriup

Choreografie 
Karl Alfred Schreiner

Dramaturgie 
Barbara Nowotny

Licht 
Josef E. Köpplinger
Josef Starmann

Lakrimosa, eine mächtige Fee, verbannt auf ihr Wolkenschloss 
Alexandra Krismer

Bustorius, Zauberer aus Warasdin 
Patrick Seletzky

Ajaxerle, Lakrimosens Vetter und Magier aus Donau-Eschingen 
Alexander Pschill

Zenobius, Haushofmeister und Vertrauter der Fee Lakrimosa / Afterling 
Alexander Strömer

Die Zufriedenheit 
Julia Stemberger

Das hohe Alter 
Wolfgang Hübsch

Der Neid 
Martin Niedermair

Der Hass 
Dominic Oley
Roman Schmelzer

Tophan, Kammerdiener des Hasses / Musensohn 
Wojo van Brouwer

Nigowitz, ein dienstbarer Geist des Hasses / Schmeichelfeld 
Oliver Rosskopf

Fortunatus Wurzel, ehmals Waldbauer, jetzt Millionär 
Michael Dangl

Lottchen, seine Ziehtochter 
Lisa-Carolin Nemec

Lorenz, ehmals Kuhhirte bei Wurzel, jetzt sein erster Kammerdiener 
Johannes Seilern

Habakuk, Bedienter 
Paul Matic

Karl Schilf, ein armer Fischer 
Tobias Reinthaller

Jugend 
Theresa Dax

Was hab ich jetzt von dem verdammten Geld? Ich kanns ja nicht genießen.
Fortunatus Wurzel 

Lottchen, die Tochter der Fee Lakrimosa und eines Sterblichen, wächst als Ziehtochter des armen Bauern Fortunatus Wurzel heran. Lakrimosa war nach dem Tod ihres Mannes mit dem Kind ins Feenreich zurückgekehrt und hatte geschworen, Lottchen nur dem Sohn der Feenkönigin zur Frau zu geben. Als Strafe für diese Vermessenheit musste das Mädchen in ärmlichen Verhältnissen auf der Erde aufwachsen. Um ihre verbannte Mutter zu erlösen, muss Lottchen jedem Reichtum abhold sein und bis zu ihrem achtzehnten Geburtstag einen armen Burschen heiraten, so der Spruch der Feenkönigin. Tatsächlich liebt Lottchen den armen Fischer Karl, doch kurz vor dem Ende der Frist bahnt sich Unheil an im Feenreich: Der Neid, von Lakrimosa abgewiesen, sinnt auf Rache und lässt Fortunatus Wurzel einen großen Schatz finden. Fortan verprasst der neureiche Bauer dieses Vermögen, verbietet Lottchen den Umgang mit Karl und verstößt sie zuletzt sogar. Doch das wird er bald bereuen...

Ferdinand Raimund, 1790 in Wien geboren, schrieb sich die Hauptrollen der von ihm verfassten Stücke quasi auf den Leib. So spielte er in der Uraufführung von Der Bauer als Millionär 1826 den Fortunatus Wurzel. Das Stück war auf Anhieb sehr erfolgreich und wurde in zahlreichen Städten nachgespielt. Das Thema des über Nacht reich gewordenen Bauern, der sein Vermögen ebenso rasch wieder verliert, war aufgrund der zur damaligen Zeit aktuellen wirtschaftlichen Depression, im Zuge derer zahlreiche Finanzmagnaten ihr Vermögen verloren, sehr präsent. Berühmt sind bis heute die Szene des Abschieds der Jugend mit dem Duett "Brüderlein fein" sowie das Aschenlied des zum Aschenmann herabgesunkenen Fortunatus Wurzel.

Josef E. Köpplinger, der am Theater in der Josefstadt 2015 Der Gockel von Georges Feydeau sehr musikalisch inszeniert hatte, wird in seiner Inszenierung von Der Bauer als Millionär auch Ferdinand Raimunds Couplets in gekonnter Manier zur Geltung bringen.

 

 Michael Dangl als Laredo Brú, Präsident von Kuba, in Daniel Kehlmanns "Reise der Verlorenen"

 

Josefstadt: Ein überaus packendes Flüchtlingsdrama

KRITIK Die Uraufführung von Daniel Kehlmanns „Die Reise der Verlorenen“ ist gelungen – mit gewaltigem Aufwand. 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=fhxoDPEsyGs

Dass Jago oder Macbeth zu Beginn einer Vorstellung an der Rampe ihre bösen Absichten bekennen, wäre Shakespeare nicht eingefallen. Aber das Theater will offenbar nicht mehr überraschen, es werden auch immer dieselben Stücke gespielt. Immerhin, die Josefstadt hat sich zu Saisonbeginn etwas ausgedacht.

Daniel Kehlmann dramatisierte das Sachbuch „Das Schiff der Verdammten“ von Gordon Thomas und Max Morgan-Witts, der eine Investigativjournalist, der andere TV-Produzent. Investigativ ging auch der stets gründliche Kehlmann vor. Er baute die Tragödie des Luxusliners St. Louis, der am 13. Mai 1939 mit 937 jüdischen Flüchtlingen nach Übersee fuhr – und von Kuba wie den USA abgewiesen wurde – zur bitteren Abrechnung um. Zu sehen sind korrupte, opportunistische oder antisemitische Politiker und Bürokraten. Sie versuchen die bereits von den Nationalsozialisten ausgeplünderten Schutzsuchenden um die letzten Reste ihres Ersparten zu bringen. Sie schrauben ihre Forderungen immer höher und lassen die jüdischen Organisationen auflaufen, die versuchen, die Verzweifelten zu retten.

Das Buch ist erschütternd, auch die Aufführung ist schwer zu ertragen, aber atemberaubend. Regisseur Janusz Kica trainierte die über 50 Akteure perfekt. Nur eben der Anfang irritiert, wenn der als Stewart getarnte NS-Ortsgruppenleiter und Spion Otto Schiendick (fantastisch: Raphael von Bargen) ruft: „Ich bin ein Nazi, buchstäblich, ein übler Kerl, ich steige noch auf!“ Dann hält Schiendick dem Publikum vor, es berufe sich auf „die Gnade der späten Geburt“. Ja?

 

Wunderbar: Föttinger, Dangl

 

Ein weiterer Mangel der Produktion ist, dass zu viele Schicksale nur angerissen werden. Sollte das Stück in Deutschland nachgespielt werden, was wahrscheinlich ist, müsste es überarbeitet und verlängert werden. Auch ein Glossar im Programmheft wäre hilfreich. Das Buch, das nur ein Teil des Materials über die Tragödie der St. Louis ist, hat fast 400 Seiten. Genug der Einwände, die knapp zwei Stunden ohne Pause dauernde, sich stetig steigernde Josefstädter Aufführung ergreift. Walter Vogelweider baute eine Schiffsmaschinerie, die symbolisch an das gnadenlose Räderwerk erinnert, in dem die Fliehenden zermahlen werden.

Herbert Föttinger ist wunderbar als strenger, verantwortungsbewusster Kapitän Gustav Schröder – der lang nicht begreift, dass die Gesetze der Seefahrt von einer Diktatur außer Kraft gesetzt wurden.

Michael Dangl schafft es als kubanischer Staatspräsident Laredo Brú, Sir und Gangster zu verbinden. Es könnte sein, dass Brú menschlich ist, aber er hat gelernt, dass das keinen Sinn hat, weil auf ein Flüchtlingsschiff das nächste folgt. Überdies ist Brú eingeklemmt zwischen seinem Rivalen und Nachfolger Batista und der Presse. Die kubanischen Verhältnisse sind blendend getroffen, die deutschen wirken etwas diffus: Wer will hier was? Joseph Lorenz zeigt als Konsul Holthusen kühlen Geschäftssinn, die Herren von der Reederei schwanken zwischen Entsetzen, Unmut und Resignation. Und der deutsche Geheimdienstchef in Kuba hält Schiendick für einen paranoiden Trottel.

Die Flüchtlinge: Roman Schmelzer bezaubert als Hebräischlehrer, Nikolaus Barton zeichnet einfühlsam den Kellner Leo Jockl, der seine jüdische Herkunft verbergen muss, Sandra Cervik gibt Babette Spanier, eine verstörte große Dame. Großartig ist Therese Lohner als widerborstige Tante Charlotte, die ihren Neffen (Matthias Franz Stein) immer wieder in Verlegenheit bringt.

 

„Wien, Wien, nur du allein!“

Marika Lichter singt herzerwärmend „Wien, Wien nur du allein!“ Maria Köstlinger als Elise Loewe versucht ihren Mann (Marcus Bluhm) zu beschützen, der sich die Pulsadern aufschneidet und über Bord springt. Peter Scholz als Max Aber schreit nach seinen Kindern, die in der ernsten Lage nichts als Schabernack im Kopf haben, er bekommt sie, von einem Helfer ohne Skrupel, aber mit Revolver ausgestattet . . .

Was hat die damalige Flüchtlingssituation mit der heutigen zu tun? Außer, dass es in beiden Fällen um Menschen geht, wohl nicht viel. Diskussionsstoff bietet dieses Thema reichlich. Helden sind rar. Das Theater entlässt uns jedoch nach diesem Abend mit der Frage: Wo stehen wir?

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.09.2018)