Jeden Montag läuft im ORF die neue Staffel SCHNELL ERMITTELT mit Michael Dangl als HORST SCHNABEL

In der Josefstadt, Wien spielt Michael Dangl in DER GOTT DES GEMETZELS (Yasmina Reza), DIE REISE DER VERLORENEN (Daniel Kehlmann) und PROFESSOR BERNHARDI (Arthur Schnitzler); ab 12.12. den FORTUNATUS WURZEL in DER  BAUER ALS MILLIONÄR von F. Raimund

Im Staatstheater am Gärtnerplatz München den PROF.HIGGINS in MY FAIR LADY  

 

 

 

 

 

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Aktuelles
01.03.2016

Wecker/Dangl: "Klang" Umjubelte UA in München

"ES KOMMT ZUSAMMEN, WAS ZUSAMMEN GEHÖRT" (SZ über die) UA am 26.1. im Staatstheater am Gärtnerplatz, München mit Konstantin Wecker, Michael Dangl, Yara Blümel,

19.03.2018

Videos

Michael Dangl liest Rilke - und Eigenes - ORF-Porträt - Theatervideos

21.09.2018

Michael Dangl als Prof. Higgins

Standing Ovations für Wiederaufnahme von MY FAIR LADY am Staatstheater am Gärtnerplatz, München am 21.9.


06.09.2018

"Wunderbar: Föttinger, Dangl" (Die Presse)

Michael Dangl als der Kubanische Präsident Laredo Brú in der gefeierten Josefstadt-Uraufführung von DIE REISE DER VERLORENEN von Daniel Kehlmann

 Josefstadt: Ein überaus packendes Flüchtlingsdrama

KRITIK Die Uraufführung von Daniel Kehlmanns „Die Reise der Verlorenen“ ist gelungen – mit gewaltigem Aufwand. 

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=fhxoDPEsyGs

Dass Jago oder Macbeth zu Beginn einer Vorstellung an der Rampe ihre bösen Absichten bekennen, wäre Shakespeare nicht eingefallen. Aber das Theater will offenbar nicht mehr überraschen, es werden auch immer dieselben Stücke gespielt. Immerhin, die Josefstadt hat sich zu Saisonbeginn etwas ausgedacht.

Daniel Kehlmann dramatisierte das Sachbuch „Das Schiff der Verdammten“ von Gordon Thomas und Max Morgan-Witts, der eine Investigativjournalist, der andere TV-Produzent. Investigativ ging auch der stets gründliche Kehlmann vor. Er baute die Tragödie des Luxusliners St. Louis, der am 13. Mai 1939 mit 937 jüdischen Flüchtlingen nach Übersee fuhr – und von Kuba wie den USA abgewiesen wurde – zur bitteren Abrechnung um. Zu sehen sind korrupte, opportunistische oder antisemitische Politiker und Bürokraten. Sie versuchen die bereits von den Nationalsozialisten ausgeplünderten Schutzsuchenden um die letzten Reste ihres Ersparten zu bringen. Sie schrauben ihre Forderungen immer höher und lassen die jüdischen Organisationen auflaufen, die versuchen, die Verzweifelten zu retten.

Das Buch ist erschütternd, auch die Aufführung ist schwer zu ertragen, aber atemberaubend. Regisseur Janusz Kica trainierte die über 50 Akteure perfekt. Nur eben der Anfang irritiert, wenn der als Stewart getarnte NS-Ortsgruppenleiter und Spion Otto Schiendick (fantastisch: Raphael von Bargen) ruft: „Ich bin ein Nazi, buchstäblich, ein übler Kerl, ich steige noch auf!“ Dann hält Schiendick dem Publikum vor, es berufe sich auf „die Gnade der späten Geburt“. Ja?

 

Wunderbar: Föttinger, Dangl

 

Ein weiterer Mangel der Produktion ist, dass zu viele Schicksale nur angerissen werden. Sollte das Stück in Deutschland nachgespielt werden, was wahrscheinlich ist, müsste es überarbeitet und verlängert werden. Auch ein Glossar im Programmheft wäre hilfreich. Das Buch, das nur ein Teil des Materials über die Tragödie der St. Louis ist, hat fast 400 Seiten. Genug der Einwände, die knapp zwei Stunden ohne Pause dauernde, sich stetig steigernde Josefstädter Aufführung ergreift. Walter Vogelweider baute eine Schiffsmaschinerie, die symbolisch an das gnadenlose Räderwerk erinnert, in dem die Fliehenden zermahlen werden.

Herbert Föttinger ist wunderbar als strenger, verantwortungsbewusster Kapitän Gustav Schröder – der lang nicht begreift, dass die Gesetze der Seefahrt von einer Diktatur außer Kraft gesetzt wurden.

Michael Dangl schafft es als kubanischer Staatspräsident Laredo Brú, Sir und Gangster zu verbinden. Es könnte sein, dass Brú menschlich ist, aber er hat gelernt, dass das keinen Sinn hat, weil auf ein Flüchtlingsschiff das nächste folgt. Überdies ist Brú eingeklemmt zwischen seinem Rivalen und Nachfolger Batista und der Presse. Die kubanischen Verhältnisse sind blendend getroffen, die deutschen wirken etwas diffus: Wer will hier was? Joseph Lorenz zeigt als Konsul Holthusen kühlen Geschäftssinn, die Herren von der Reederei schwanken zwischen Entsetzen, Unmut und Resignation. Und der deutsche Geheimdienstchef in Kuba hält Schiendick für einen paranoiden Trottel.

Die Flüchtlinge: Roman Schmelzer bezaubert als Hebräischlehrer, Nikolaus Barton zeichnet einfühlsam den Kellner Leo Jockl, der seine jüdische Herkunft verbergen muss, Sandra Cervik gibt Babette Spanier, eine verstörte große Dame. Großartig ist Therese Lohner als widerborstige Tante Charlotte, die ihren Neffen (Matthias Franz Stein) immer wieder in Verlegenheit bringt.

 

„Wien, Wien, nur du allein!“

Marika Lichter singt herzerwärmend „Wien, Wien nur du allein!“ Maria Köstlinger als Elise Loewe versucht ihren Mann (Marcus Bluhm) zu beschützen, der sich die Pulsadern aufschneidet und über Bord springt. Peter Scholz als Max Aber schreit nach seinen Kindern, die in der ernsten Lage nichts als Schabernack im Kopf haben, er bekommt sie, von einem Helfer ohne Skrupel, aber mit Revolver ausgestattet . . .

Was hat die damalige Flüchtlingssituation mit der heutigen zu tun? Außer, dass es in beiden Fällen um Menschen geht, wohl nicht viel. Diskussionsstoff bietet dieses Thema reichlich. Helden sind rar. Das Theater entlässt uns jedoch nach diesem Abend mit der Frage: Wo stehen wir?

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.09.2018)