dreht VORSTADTWEIBER und SCHNELL ERMITTELT

Im Theater in der Josefstadt: als DER SCHWIERIGE (Hofmannsthal); als ZAZA in LA CAGE AUX FOLLES; Proben zu DIE KEHRSEITE DER MEDAILLE (Zeller), Premiere 15.12., R: Alexandra Liedtke

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06.10.2016

DER SCHWIERIGE

Du, Onkel Kari, bist au fond, verzeih', dass ich es heraussage, ein Idealist: deine Gedanken gehen auf das Absolute, auf das Vollkommene. Das ist ja sehr elegant gedacht, aber unrealisierbar. (Stani)

Janusz Kica und das Ensemble rund um Michael Dangl erfreuen mit lustvollem Dichtertheater.
Die Darsteller - etwa Matthias Franz Stein als junger Stani, der sich virtuos in einem heutigen, gut situierten ÖVP-Jungpolitikerjargon durch seinen Part turnt oder Pauline Knopf als ebenso verzweifelt verliebte wie nüchtern selbstbewusste Antoinette Hechingen - haben Spaß mit Hofmannsthals reichen verbalen Verzierungen ihrer Charaktere und bieten über drei Stunden lustvolles Dichtertheater. Michael Dangl gibt den "Schwierigen" als modernen Anti-Helden, der bei genauerem Hinsehen deutlich weniger neurotisch ist als alle anderen und als einzige echte Identifikationsfigur dienen kann.
Eifriger Premierenapplaus für einen sauber gearbeiteten Theaterabend.
(APA)

Janusz Kica hat am Theater in der Josefstadt Hugo von Hofmannsthals "Der Schwierige" inszeniert, jenes hintergründige Lustspiel, an dem der Autor elf Jahre feilte, Hofmannsthal, der Sprachzweifler und -verzweifler, der genau diese Eigenschaften seinem Protagonisten auf den Leib schrieb.
Im spartanischen Bühnenbild von Karin Fritz brilliert Michael Dangl als Kari Bühl. Er ist weniger Molière’scher Misanthrop, auch dieser Art wird der Charakter ja mitunter gedeutet, als ein charmanter Äquidistanz-Halter zum (anderen) Ende der Menschheit, und er ist ein durchaus spitzbübisches Schlitzohr. Als Baseline spielt Dangl dazu das Trauma eines Kriegsheimkehrers, eines im Feld verschütteten, und vielleicht rührt daher ja diese Furcht vor allem, was im Leben gut und schön sein kann. Kari schwärmt vom Clown Furlani, einem dummen August im Zirkus, und dies die treffendste Beschreibung für Dangls Rollengestaltung: einer, der allen helfen möchte, alles klären möchte, und alles in Konfusion bringt; einer, der nichts mit Absicht tut, aber beständig auf die Absichten der anderen reagieren muss. Dann wieder berührt er in intimen Momenten mit Alma Hasuns Helene. Er gibt seinem Spiel tausend Facetten und alle sind sie faszinierend anzuschauen.
Mit ihm auf der Bühne ganz großartig Ulli Maier als seine exaltierte Schwester Crescence, Pauline Knof als manisch-hysterische Antoinette Hechingen, Alexandra Krismer als ihre geschätzige Freundin Edine oder Therese Lohner als ihre Kammerjungfer, die sich mit ihrer Herrin längst als ein "Wir" versteht. Die Damen schrauben sich darstellerisch in lichte Höhen, daneben gibt Roman Schmelzer als abservierter Ehemann Hechingen den guten Tropf, die dritte Partei, der definitiv das Je ne sais quoi und die Sleekness fürs großbürgerliche Parkett fehlt.
Zweitere bringt per Geburt der Stani von Matthias Franz Stein mit. Stein gestaltet einen Schnösel par excellence, einen, der von den eigenen großen Plänen leicht, aber doch ennuyiert ist, die Sorte Reiterhammerl-Rich-Kid, die, mit dem goldenen Löffel großgefüttert, nun glaubt, über das Wohl und Wehe anderer urteilen zu dürfen. Mutmaßlich nie zuvor war Stein in seiner Darstellung so prägnant, wie in dieser Rolle, als einer, der nie um eine Antwort verlegen ist, an dem nie auch nur der geringste Selbstzweifel nagt, das personifizierte Coming out des neuen Selbstbewusstseins – man sieht seinem Stani zu, wie er sich mit Teflon überzieht und weiß, da wird einer, auch wenn er jetzt noch in der zweiten Reihe steht, Karriere machen. Der Tag X wird kommen.
Wohl auch für Christian Nickels Neuhoff. Der sympathische Schauspieler überzeugt in einer für ihn ungewöhnlichen Position als unsympathischer Emporkömmling. Sein Neuhoff ist ein Anbiederer an die alten Machtverhältnisse und speit vor Zorn Gift und Galle über sie. Er verachtet vor allem Kari und will ihn durch Schmeicheleien doch für sich gewinnen. Er ist der Raubfisch im gutsituiert-trägen Karpfenteich. Wie er stammtisch-eloquent herumscharwenzelt, aber wenn er seine Ziele nicht erreicht, dann plötzlich in pure Gewalt ausbricht, da zeigt Nickel neue Seiten seiner Kunst. Noch wird sein Neuhoff geschlagen vom Platz gehen, noch haben Stani und er sich in gegenseitiger Geringschätzung nichts zu sagen, noch…
Janusz Kica ist es mit seiner Arbeit nicht nur gelungen, den Hofmannsthal’schen Text mit hohem Anspruch umzusetzen, er hat daraus auch eine Art Gesellschaftsfarce gemacht, eine, wenn man’s denn so sehen möchte, Politsatire, die auf Fragen verweist, auf die man sich möglichst schnell eine Antwort suchen sollte. Die Bilder gleichen sich, die Personen sind bekannt.
(Mottingers Meinung)

Die mondäne, Intrigen als lebenserhaltendes Gesellschaftsspiel betrachtende Mikrowelt führt Hugo von Hofmannsthal in seiner vielgespielten Komödie „Der Schwierige“ von 1920 vor: Sie hatte nun im Theater in der Josefstadt Premiere. In Janusz Kicas Inszenierung und im überzeugenden kubistisch anmutenden weiß-schwarzen Bühnenbild in farblich eleganten Kostümen von Karin Fritz.
Für Lacher sorgt Ulli Maier: eine köstliche, boshaft-intrigante, im Gesellschaftsleben aufgehende Crescence, Schwester Bühls. Still in sich gekehrt, voll Noblesse, aber auch Energie und in jedem Satz glaubwürdig, die "Helene" Alma Hasuns. Reizend hysterisch und hingebungsbereit Pauline Knofs Antoinette. Viel herzlicher Beifall!
(Kronen Zeitung)

Mit viel Liebe und feinem Humor hielt Hugo von Hofmannsthal in seiner vor fast 100 Jahren entstandenen Komödie "Der Schwierige" der gehobenen Wiener Gesellschaft einen Spiegel vor. Die Sprache, die Hofmannsthal so kunstvoll zu gebrauchen wußte, ist es, die im Mittelpunkt steht. Das hat Janusz Kica bei seiner Neuinszenierung im Theater in der Josefstadt genau erkannt und umgesetzt. Michael Dangl ist als Kari Bühl ein vollendeter Gentleman, glaubwürdig in allen Aspekten der vielschichtigen Rolle, ideal ergänzt durch Ulli Maier als Crescence, ein herrlicher Gesellschaftsdrachen, deren größtes Interesse das aktuelle "Wer mit Wem" ist - außer vielleicht Karis Glück, das ihr tatsächlich etwas bedeutet.
Matthias Franz Stein amüsiert als Stani, liebenswerter Neffe Karis, manchmal schwer von Begriff, während Pauline Knof als Antoinette sich in ständig steigender Erregung befindet, die in Karis Versöhnungsversuch ihren Höhepunkt findet. Als tiefsinnige, empfindsame Helene ist Alma Hasun ein ruhender Punkt in dem ganzen Spektakel, leuchtend in ihrer Liebe zu Kari inmitten der ganzen Oberflächlichkeit.
(European-News-Agency.com)

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